„Hilf Herr meiner Seele, dass ich dort nicht fehle, wo ich nötig bin.“
14.09.2026 |
Seit 26 Jahren engagiert sich Dr. Wolf Frenkel ehrenamtlich im Umfeld der Kirchlichen Sozialstationen im Caritas-Pflegenetz Sigmaringen e.V. – zunächst als Vorsitzender des Caritativen Fördervereins Engelswies und später Vilsingen, seit 24 Jahren im Vorstand und seit rund zehn Jahren im ehrenamtlichen Aufsichtsrat. Im Gespräch erzählt er, was ihn antreibt, warum Dankbarkeit für ihn ein besonderes Geschenk ist und weshalb sein Glaube ihn immer wieder zum Engagement bewegt.
Unsere Kirchlichen Sozialstationen im Caritas-Pflegenetz Sigmaringen e.V. haben sich seit 1977 zu einem vielfältigen Angebot an Pflege- und Unterstützungsleistungen in Gammertingen, Sigmaringen, Meßkirch und Pfullendorf entwickelt.
Was macht die Sozialstation?
Der ambulante Pflegedienst unterstützt Menschen und ihre Angehörigen dabei, möglichst lange zu Hause leben und gepflegt werden zu können. Dazu gehören Häusliche Pflege, hauswirtschaftliche Unterstützung, Beratungsangebote, Essen auf Rädern, drei Tagespflegeeinrichtungen und ein Hausnotruf für Tag und Nacht.
Wie sind Sie Aufsichtsrat geworden?
Im Jahr 2000 wurde ich gefragt, ob ich den Vorsitz des Caritativen Fördervereins Engelwies übernehmen möchte. Mein Lebensmotto orientiert sich am Kirchenlied: „Hilf Herr meiner Seele, dass ich dort nicht fehle, wo ich nötig bin.“ So erklärt sich meine Zusage.
Unser Verein organisierte u.a. kostenlose Ausflüge für gehbehinderte und geschwächte Mitbürger.
2002 wurde ich in den Vorstand der Sozialstation Thomas Geiselhart in Sigmaringen berufen und 2016, nach Fusion der 4 Sozialstationen des Dekanats, in den Aufsichtsrat gewählt.
Welche Fähigkeiten braucht man für diese Tätigkeit?
Man sollte gläubig sein und Freude daran haben, Menschen zu helfen. Außerdem sollte man konsensfähig sein. Die unterschiedlichen Fachkenntnisse der Aufsichtsratsmitglieder – z.B. Steuersachen, Verwaltung, Immobilien oder Medizin – machen das Gremium effektiv.
Was ist das Besondere an Ihrem Tun?
Es ist das, was das Kirchenlied für mich ausmacht. Mit der Taufe haben wir unsere „Grundvergütung“ als geliebte Kinder Gottes erhalten. Deshalb sehe ich mich als Dienender für die Menschen, die Jesus am meisten am Herzen liegen.
Was motiviert Sie zu Ihrem ehrenamtlichen Engagement?
Ich habe von Gott so viel Gutes mitbekommen, dass ich etwas davon zurückgeben möchte. Dankbarkeit ist für mich ein starker Antrieb.
Von wem erfahren Sie Anerkennung und Wertschätzung?
Ehrungen sind mir zuwider. Im Mittelpunkt zu stehen, ist mir nicht recht. Zuviel „Dankeschön“ würde ich gar nicht so verkraften.
Gibt es besondere Belastungen?
Die zeitliche und fachliche Belastung als stellv. Vorsitzender des Aufsichtsrats ist wegen der Vorbesprechungen mit dem Vorstand vor jeder Sitzung etwa doppelt so hoch wie im Aufsichtsrat. Deshalb habe ich mein Amt im Inzigkofer Nachbarschaftshilfeverein niedergelegt. Und als der Caritative Förderverein (leider) aufgelöst wurde, fiel eine weitere Last von mir.
Bereichert die Tätigkeit Ihren persönlichen Glauben?
Der Glaube und die Hoffnung, dass das, was wir tun, vielleicht Gotteswerk ist, begleiten mich. „Hier bin ich, Gott – sende mich.“ Das treibt mich an.
Wenn Sie drei Wünsche frei hätten?
Erstens wünsche ich uns allen, dass die Veränderungen in der katholischen Kirche zu einem „Soft-Landing“ führen und wir zu einer neuen Spiritualität finden. Die Aufbruchsstimmung in den neuen Projekten sollte den Menschen zugutekommen. Da möchte auch ich mich in Zukunft einbringen. Zweitens sollten Frauen einen größeren Stellenwert in der katholischen Kirche erhalten. Und drittens sollten die großen Kirchen sich endlich zusammentun und dogmatisch-ideologische Vorbehalte über Bord werfen.
Ein besonderes Erlebnis aus Ihrer Tätigkeit?
Die Begegnungen mit dankbaren Menschen sind die kleinen Tautröpfchen des Glücks. Sie bestätigen mich in meinem Tun. Bei einem unserer ersten Ausflüge zur Insel Mainau sagte ein alter Schmied zu mir: „Das war der schönste Tag in meinem Leben.“ Das bewegt mich bis heute.
Eine tiefe Demut der Erkenntnis erfasst mich, wenn ich mit Menschen reden darf, die so lange Ämter gestalten. Dranbleiben, nicht aufgeben. Ich kann die Konflikte der Änderungen zwischen den Zeilen lesen. Es war nicht immer eitel Sonnenschein. Ungeklärtes, das einen nicht schlafen lässt.
Aber ein Herrgott, der da ist und hält, trägt und Kraft gibt.
Lieber Herr Dr. Frenkel, ich finde, es ist ein guter Zeitpunkt, es Gott am siebten Tag gleich zu tun. Pause zu machen und stolz auf sein Werk zu sein. DANKE.
Stellvertretend möchte ich allen, die sich ehrenamtlich in Gremien engagieren, danken.
Das Gespräch führte
Christine Brückner
Referentin für Engagementförderung




