Osterkerze - Lumen Christi („Christus, das Licht“)
Zwei Kerzen, zwei Konfessionen, eine gemeinsame Botschaft: Seit der Coronazeit gestalten engagierte Ehrenamtliche aus der evangelischen und katholischen Gemeinde in Trochtelfingen jedes Jahr zwei Osterkerzen, die zusammen ein Bild ergeben – und zugleich ein starkes Zeichen für gelebte Ökumene setzen. Mit Kreativität, Glauben und viel Herzblut schaffen sie etwas, das Menschen verbindet und weit über die Ostertage hinaus wirkt. Besonders ist nicht nur die gemeinsame Gestaltung, sondern auch der Zusammenhalt, der spürbar wird.
Engagement braucht Platz um zu wirken, gestalten, tun, danken und immer wieder danken, sowie auch darüber reden. Denn nichts auf dieser Welt ist selbstverständlich. Frei nach dem Motto: „Tue Gutes und rede darüber“.
Wir freuen uns, dass Frau Katrin Roßbach (ev.) und Herr Vincent Klingenstein (kath.) sich für das erste Ehrenamts-Interview im neuen Pfarreimagazin bereit erklärt haben. Zu ihrem Team gehören: Julia Betz, Maximilian Kohler und Sara Roßbach.
1. Wie entstand die Idee, gemeinsam eine Osterkerze zu gestalten?
Eigentlich war es ganz witzig. In der Coronazeit feierten wir gemeinsam Ostern. Die katholische Kerze war groß und schwer, die evangelische Kerze klein und man sah sie kaum. Da entstand die Idee: Es wäre doch schön, wenn wir dieselben Kerzen hätten. So entstand die Idee, zwei gleiche Kerzen zu gestalten, die gemeinsam dasselbe Bild ergeben, wie wenn jede einzeln steht.
2. Gibt es besondere Fähigkeiten, die diese Tätigkeit erfordert?
Auf jeden Fall brauchen wir eine ruhige Hand, wir gestalten die Motive mit Wachsplatten. Die Inspirationen kommen von uns selber. Dabei schauen wir auch, nach den Themen der Konfirmanden und Firmlinge. Können wir dies evtl. ein bauen? Wir gestalten zwei Kerzen. Stellt man sie zusammen, entsteht ein Bild. Auf einem Blatt wird die Geschichte zur Inspiration bei der Osterkerze ausgelegt. Uns ist jedoch sehr wichtig: Jeder ist unterschiedlich und dennoch finden wir Gemeinsamkeiten.


3. Was ist das Besondere an Ihrem Tun, bzw. was gefällt Ihnen?
Dass wir miteinander auf der Basis unseres Glaubens gestalten und wirken im Tun. Beide Kirchen leben viele Traditionen. Es ist der Glaube, in dem wir aufgewachsen sind. Er ist unsere Heimat. Damit identifizieren wir uns.
4. Was ist Ihre Motivation, die Osterkerze zu gestalten?
V.K.: Mir ist es wichtig, die Traditionen am Leben zu erhalten, da sich die Jüngeren immer mehr von der Kirche abwenden – die Kerze ist eine gute Möglichkeit die gemeinsame Botschaft zu vermitteln.
K.R.: Wir erreichen gemeinsam so viel mehr Menschen, als wenn jeder für sich alleine bliebt. Es spricht auch viele neuen Menschen an. So sind jedes Jahr mehr Menschen dabei, auch neue Gesichter.
5. Erfährt Ihr persönlicher Glauben eine Bereicherung durch Ihre
Tätigkeit?
Es ist eine bewegende Stimmung, wenn die Kerzen aus der Kirche herausgetragen werden. Die Rituale sind sehr emotional. Wenn das Licht geteilt wird, ist es jedes Mal ein Refresher.
Besonders schön sind dann Aktionen, die „so nebenbei“ entstehen – die
Firmlinge und Konfirmanden haben letztes Jahr gemeinsam Brot gebacken.
6. Wenn Sie drei Wünsche frei hätten an die Kirchenleitung?
Mehr Wertschätzung für die Basis, von der evangelischen Landeskirche. Einfach mal fragen, wie es läuft – menschliches Interesse und Unterstützung. Das bisher gelebte in unserer Gemeinde könnte mehr von der Kirchenleitung gesehen werden.
Ehrenamt soll immer selbstständig Geld sammeln für eigene Renovationen – hier würde eine Umstrukturierung guttun, z.B. durch feste Budgets für die Gruppierungen.
7. Ein besonderes Erlebnis aus Ihrer Tätigkeit…
Ostern 2024 fiel die Kerze, 15 Min. vor dem Gottesdienst runter und zerbrach in drei Teile. Was dann passierte war eigentlich unbeschreiblich: Alle waren da, um die Kerze zu reparieren, jede Idee war wichtig, wir spürten einen so tiefen Zusammenhalt. Das Beste: Die Kerze brannte und hielt ein ganzes Jahr.
Egal ob evangelisch oder katholisch – wir schaffen zusammen. Jeder packt mit an und hilft mit. Es wird erlebt und gelebt. Im Tun bleibt man pragmatisch. Meist ist man in der größeren Kirche, das ist hier vor Ort die katholische, aber des versteht auch jeder.
In Trochtelfingen, werden viele Kirchenfeste ökumenisch gefeiert. Vielen Dank für Euer Engagement und Herzblut, das man hier wahrlich spürt. Ihr seid Beispiel und Mutmacher, für so viele, die sich (noch) nicht trauen.
Das Gespräch führte
Christine Brückner
Referentin für Engagementsförderung



